Nicht nur die geschätzte Anzahl allein – über 25 000 Stück – sondern auch die Vielfalt der Programmhefte, die das Tanzarchiv in seinen Beständen aufbewahrt, imponiert. Die frühesten Exemplare datieren aus dem 19. Jahrhundert: Damals wurden Programme zu Tanzveranstaltungen in den Tageszeitungen quasi als Anzeigen abgedruckt. Im Laufe der Zeit wurden sie zu eigenständigen, gebundenen Drucksachen.

Im digitalen Zeitalter sind sie umfangreich, aufwendig in der Produktion, mit veredelten Umschlägen und Kunststoffhüllen sowie mit Postkarten als Beilage. Die herausgebenden Theater nennen sie auch „Programmbücher“, und nichts deutet auf ein ephemeres Medium hin.

Seit Jahrzehnten finden in Programmheften Originalbeiträge namhafter TanzkritikerInnen ihren Platz; Kostümbildner lassen noch heute ihre Figurinen abdrucken, wie übrigens in den – in dieser Hinsicht – „nahen Verwandten“ der Programmzettel, den Libretti. Ein Stich aus dem historischen Bestand der DTK zeigt das „indische Kostüm“ einer Darstellerin des Balletts „Triomphe d’amour“ von Isaac de Bensérade, Anno 1680.  Ein Programmheft von Oskar Schlemmers „Triadischem Ballett“, aufgeführt während der Bauhaus-Woche in Weimar (August 1923) erwähnt selbstredend den Schöpfer der „starren Kostüme“.

Für Tanzschulen sind Programmhefte wirksame Werbemittel. So ist es nicht verwunderlich, dass ein 40-seitiges, als „Schul-Programm“ angekündigtes Prospekt die Wiedereröffnung der Wigman-Schule in Dresden zelebriert und dabei nicht nur die Kernansätze der Lehre und das Team vorstellt sondern den Neubau mit Erweiterung in Fotos und Plänen detailliert zeigt: Man schrieb das Jahr 1927, und das Neue Bauen war zu dem Zeitpunkt in aller (Fach)Munde.

Kurzum: Über alle Jahrzehnte gab es Anlässe, um Programmhefte aufwändig zu gestalten. Im ersten Nachkriegsjahr waren jedoch Ressourcen knapp, und so legte Dore Hoyer die Besetzung ihrer Tänze handschriftlich auf Papier fest, aus ihrem Tagebuch übertragen.

Von Kargheit geprägt waren die Programmhefte von Pina Bausch und dem Tanztheater Wuppertal ab den 1970er Jahren. Aus Kinderfotos des Tanzensembles vor dem Weihnachtsbaum besteht das Heft von „Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehört“. Bisweilen diente ein einziges, titelloses und mehrfach gefaltetes Blatt, z.B. bei „Rough Cut“ als Heft, unverändert über die Jahre. Nur der Besetzungszettel – ebenfalls ohne den Titel des Tanzstücks – wurde bei Bedarf aktualisiert und mit dem Kopiergerät vervielfältigt.

Jenseits des visuellen Aspektes sind Programmhefte eine der wichtigsten Quellen für die Dokumentation darüber, wer wo und wann und in welcher Rolle getanzt hat beziehungsweise wie vielfältig die Karriere mancher Tänzer gewesen ist und wer buchstäblich „Schule gemacht hat“. Daher sind Grenzgebiete des Bühnentanzes wie Revue und Varieté im Programmheft­bestand des Deutschen Tanzarchivs ebenfalls gut vertreten.

Im Archiv stehen die Programmhefte ab 1945 innerhalb der Öffnungszeiten des Archivs ohne Anmeldung zur Verfügung, während die historischen Bestände nur nach Voranmeldung einsehbar sind.