© Deutsches Tanzarchiv Köln

Forschung

© Deutsches Tanzarchiv Köln

Dass das Deutsche Tanzarchiv Köln seit seiner Gründung 1948 in seinen Funktionen als Archiv, Bibliothek und seit 1997 auch als Museum des Tanzes die Tanzforschung und Tanzwissenschaft insbesondere in Deutschland nicht nur als eine solche gefordert, sondern auch maßgeblich gefördert hat, versteht sich von selbst.

Eine wesentliche und „klassische“ Aufgabe ist es, durch den laufenden Bestandsaufbau in allen drei Bereichen und durch seine Erschließung und konservatorische Betreuung die Grundlagen für die Forschung zu bereiten. Welchen hohen finanziellen und personellen Aufwand die Träger des Deutschen Tanzarchivs Köln laufend leisten, um diese Aufgabe anhand des überaus umfangreichen und sich ständig stark erweiternden Bestandes angemessen zu erfüllen, wird oft unterschätzt.

Darüber hinaus besteht eine weitere wesentliche Aufgabe des Deutschen Tanzarchivs Köln darin, anhand seiner Bestände selbst immer wieder grundlegende, insbesondere historiographische Forschungen durchzuführen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Dies geschieht (neben den Ausstellungen) vor allem in zwei Medien: auf den Webseiten des Tanzarchivs und in den Buchpublikationen. Die Webseiten machen durch biographische oder historiographische Untersuchungen und Bestandsübersichten auf die vorhandenen Quellen aufmerksam.

Die Buchpublikationen des Tanzarchivs mit Bezug auf die eigenen Bestände folgen im Wesentlichen zwei Linien, die sich jedoch selbstverständlich deutlich überschneiden können: Der Edition von Dokumenten einerseits und der biographischen bzw. historiographischen Untersuchung von Beständen andererseits:

Beispiele für die Unterstützung der Forschung durch die Edition von Dokumenten im Bereich der Buchpublikationen ist der 2015 erschienene, 633 Seiten umfassende Band mit den gesammelten Tanzkritiken von Arthur Michel in der „Vossischen Zeitung“ von 1922 bis 1934 – oder die 2008 als Faksimile veröffentlichte Notation des Balletts „Giselle“ aus dem 19. Jahrhundert. Beispiele für die biographische Bestandserforschung durch das Archiv sind u.a. die Monographien zu Dore Hoyer, Harald Kreutzberg, Isadora und Elizabeth Duncan und den Sacharoffs.

Für ein aktives Archiv ist es schließlich naheliegend, auch Forschungen zu fördern, die zwar auf den Beständen des Tanzarchivs basieren, aber durch andere Quellen ergänzt werden. Die vom Tanzarchiv herausgegebenen Monographien von Tanzforschern über Oda Schottmüller, Hanna Berger und Alexander von Swaine sind Beispiele für diese Unterstützung seitens des Tanzarchivs.

Daneben existieren zwei Buchreihen des Tanzarchivs, welche der externen Forschung auch völlig unabhängig vom Kölner Bestand die Veröffentlichung tanzwissenschaftlicher Forschungen (in der besseren Sichtbarkeit einer Reihenpublikation) ermöglichen sollen: „Studien und Dokumente zur Tanzwissenschaft“ (beim PETER LANG Verlag) und „Terpsichore“ (beim OLMS Verlag).

Außerdem bietet das Tanzarchiv bereits seit Februar 1996 zur zeitnahen Veröffentlichung von wissenschaftlichen Aufsätzen die digitale Zeitschrift „Tanzwissenschaft“ an.

Eine für ein Archiv ganz besondere Aktivität spiegelt sich in den Kooperationen mit den Hochschulen. Das Tanzarchiv ist An-Institut der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Doch nicht nur die Ausbildung der dortigen Studentinnen und Studenten wird mit Seminaren, Übungen, Vorträgen, Diskussionen und Führungen im Archiv und durch Archivmitarbeiter unterstützt, sondern auch die der Folkwang Universität der Künste in Essen. Und nicht nur von der Universität zu Köln oder der Deutschen Sporthochschule Köln suchen Dozentinnen und Dozenten mit ihren Seminaren das Archiv auf, sondern beispielsweise auch von der Freien Universität Berlin.

Das Tanzarchiv bietet den tanzwissenschaftlich interessierten Dozenten und Studenten ein Informationssystem an, das im Wesentlichen auf der Bereitschaft aufbaut, eigene Informationen beizusteuern:

Die Mailingliste „Tanzwissenschaft“ hat ihre Abonnenten in bereits mehr als 500 e-mails auf Symposien, Buchneuerscheinungen, Zeitschrifteninhalte oder Stellenausschreibungen im Bereich der Tanzwissenschaft hingewiesen. Zur Aufnahme in die Liste genügt eine kurze Mail an tanzarchiv(at)sk-kultur.de .

Bei der Wahl seines/ihres Masterthemas kann die/der Student(in) anhand des Verzeichnisses der tanzwissenschaftlichen Magister- und Masterarbeiten an deutschsprachigen Universitäten und Hochschulen (momentan in der Entstehung begriffene und seit August 2011 abgeschlossene Arbeiten) sich über andere Themen informieren und ggf. Kontakt aufnehmen, um Doppelungen zu vermeiden, und hier das eigene Thema bekannt geben.

Ebenso ist es sinnvoll, das Thema für die Dissertation am Verzeichnis der momentan in Arbeit befindlichen tanzwissenschaftlichen Dissertationen an deutschsprachigen Universitäten und Hochschulen zu prüfen und nach der Annahme des Themas durch die/den Betreuer(in) hier zu veröffentlichen.

Die publizierte Dissertation wird in der von 1704 bis heute reichenden Bibliographie der deutschsprachigen Hochschulschriften zur Tanzwissenschaft / Tanzforschung verzeichnet, ebenso ggf. später eine Habilitationsschrift.

Weder die SK Stiftung Kultur, noch das Deutsche Tanzarchiv Köln sind in der Lage, Stipendien zu vergeben. Das Tanzarchiv ist jedoch nicht nur An-Institut der Hochschule für Musik und Tanz Köln, sondern auch deren Partner in einem „Forschungskolleg Tanzwissenschaft“. Dieses Forschungskolloquium ist daran interessiert, hochkarätige und interdisziplinäre Forschung zu unterstützen, die explizit mit den Beständen des Deutschen Tanzarchivs Köln arbeitet. Dafür schreibt das Forschungskolleg Stipendien aus. WissenschaftlerInnen ohne ein externes Stipendium können sich für eines der  jährlichen Stipendien in Höhe von 1000-1500 Euro bewerben. Mit den Stipendien des „Forschungskolleg“ ist eine Aufenthaltspflicht von vier bis sechs Wochen in Köln während der Semesterzeiten (Okt-Jan. oder April-Juni) verbunden ebenso wie die Präsentation und Diskussion der Forschung im Kolloquium. Erwünscht ist zudem, dass die Gäste ihr Interessensgebiet in einem Kurz-Seminar, Vortrag oder Workshop mit Studierenden des Zentrums für Zeitgenössischen Tanz teilen oder ggf. eine Präsentation im Rahmen von Veranstaltungen des Tanzarchivs (z.B. im Tanzmuseum) geben. Hierdurch soll ein ‚Rückfluss’ innovativer Ideen aus der historischen Forschung in die tänzerische und tanzwissenschaftliche Vermittlungspraxis gefördert werden.

Der Tanzwissenschaftspreis NRW wird seit 2001 vom Land Nordrhein-Westfalen alle fünf Jahre vergeben. Er wurde initiiert in Erinnerung an den Pädagogen, Publizisten und Begründer des Deutschen Tanzarchivs Köln, Kurt Peters, und hat sich zu einem Markenzeichen der Förderung der Tanzwissenschaft entwickelt. Der vom Deutschen Tanzarchivs Köln initiierte Tanzwissenschaftspreis NRW ist bislang bundesweit der einzige wissenschaftliche Förderpreis in Bezug auf Tanz und besitzt als Instrument der Förderung des tanzwissenschaftlichen Nachwuchses nationales und internationales Renommee.