von Irene Sieben, Anna Till und Thomas Schallmann
21. November, 15 Uhr | Samstag
Die Geschichte des zeitgenössischen Tanzes ist lückenhaft. Manja Chmièl (1922-2006) rutschte ins Vergessen, weil die Tanzwissenschaft sie vergass. Zeitzeugin Irene Sieben rückt ihre einst wichtigste Lehrerin im Mary Wigman Studio mit ihrem Buch ins Licht und platziert sie neben Dore Hoyer als eine prägnante Erfinderin einer spezifischen Tanzsprache.
1962 hat sich Chmièl vom Ausdruckstanz lossagt. Sie wollte sich neben Neuer Musik, Literatur und abstrakten Künsten gleichberechtigt positionieren. Ihre Gruppe Neuer Tanz Berlin war die erste freie Tanzkompanie Deutschlands. 1968 erhielt die geborene Tschechin den Kritikerpreis für Tanz. Wenn es einen Katalysator gab zwischen dem Expressionismus und dem zeitgenössischen Tanz der 1980er, dann war sie es. Manja Chmièls stringenten, von Pathos entschlackten Tänze beweisen es.
Die Rekonstruktion der Dresdner Tänzerin Anna Till machen dies auf wunderbare Weise sichtbar. Sie wird diese als Film zeigen und kommentieren. Der Drehtanz „Unter den Sternen“ wurde wiederum von Thomas Schallmann (Kinetograf) nach Chmièls Erinnerung in Labanotation zu Papier gebracht. Gemeinsam mit Anna Till wird er über diese Wiederbelebung sprechen.
Irene Siebens Buch Manja Chmièl – Rebellin des Neuen Tanzes ist im Drachenverlag Klein Jasedow erschienen, herausgegeben vom Deutschen Tanzarchiv Köln, das auch Chmièls Nachlass beherbergt, sowie von der Tanzstiftung Manja Chmièl.
https://tanzstiftung-manja-chmiel.org/