It’s me! | Selbstinszenierung im Tanz
 Laufzeit: 1. Mai 2025 - 1. März 2026

29. April 2025 – 19 Uhr | Eröffnung der Ausstellung

Unbändige Freude am Experiment und der Innovation prägen seit jeher das Zusammenspiel von Tanz, Fotografie und Film. Mit dem Aufkommen der Bewegungsfotografie im 20. Jahrhundert und ersten Versuchen der filmischen Dokumentation von Tanz entstanden Bilderwelten, in denen sich in aufregender Weise der Erfindungsreichtum des zeitgenössischen Tanzes mit den modernen bildnerischen Techniken in der Fotografie und des Films verbanden.

Jenseits einer bloßen Dokumentation von Bewegung stand dabei immer auch der Aspekt der (Selbst-)Inszenierung im Fokus der Akteure vor und hinter der Kamera. Eigens für die Kamera „in Szene gesetzt“, entstanden fiktive fotografische oder filmische Bild-Wirklichkeiten.

Vorzugsweise Tänzerinnen wurden im 19. Jahrhundert zum bevorzugten Motiv sogenannter Cabinet-Karten im handlichen Format 10 x 15 cm, die von Liebhabern in eigens dafür eingerichteten Alben gesammelt und anderen Connaisseurs im kleinen Kreis präsentiert wurden. Von besonderer Attraktivität waren dabei Portraits, bei denen der direkte Blick der Tänzerin in die Kamera eine intime Verbindung zum Betrachtenden auszudrücken schien.

In der Bildpostkarte fanden Fotografie und Tanz seit 1920er Jahren ihre populärste Ausprägung. Kommunikationsmedium und Sammelobjekt zugleich, waren und sind sie Ausdruck einer besonderen Beziehung zwischen dem Medium der Fotografie und den Nutzenden – erst recht, wenn sich der Blick des Betrachtenden im Abbild verliert, der Blick erwidert zu werden scheint.


Schmuckstück im Kleinformat. Portrait einer unbekannten Tänzerin aus dem 19. Jahrhundert | Fotosammlung des Deutschen Tanzarchivs Köln

Transformationen des Ich im virtuellen Raum:
Online-Plattformen wie TIKTOK oder Instagram haben die Möglichkeiten und Funktionen einer bildgestützten Auseinandersetzung mit Tanz und Bewegung in einem zuvor nicht für möglich gehaltenen Maße erweitert. Nie war es einfacher, individuelle Bilder vom Tanz herzustellen, zu verbreiten und sich darüber auszutauschen. Neue, digitale Bühnen des Tanzes entstanden und lösten wahre Bilderfluten aus – dabei kamen Fotografie, Körperlichkeit und Bewegung mitunter neue, unmittelbar kommunikative Funktionen zu. The way you move – the way you feel – Show it!


Objekt mit Sammlerwert. Portraits Lilian Harvey | Fotosammlung des Deutschen Tanzarchivs Köln

Aber was ist echt? Welchen Bildern ist vor den schier unerschöpflichen Möglichkeiten von digitaler Bildbearbeitung noch zu trauen? Die Trennlinien von Dokumentation, Inszenierung und Illusion scheinen angesichts der Möglichkeiten von Artificial Intelligence zu verschwimmen.

Neue Fragen drängen sich auf: auf welche Weise prägt und verändert das mediale Spiel mit  (Selbst-)Inszenierungen unser Bild vom Tanz? Welche Formen der Visualisierung von Tanz und Bewegung werden zukünftig möglich sein?


Portrait einer Tänzerin aus dem 19. Jahrhundert in durch AI verfremdeter Anmutung | Fotosammlung des Deutschen Tanzarchivs Köln

Die Ausstellung „It’s me!“ widmet sich alten und neuen Inszenierungen des Selbst im TanzBild und den zugrunde liegenden Konzepten – dabei bedient sich die Ausstellung im Tanzmuseum der umfangreichen Bestände der Foto- und Filmsammlung des Archivs und setzt diese bewusst in den Kontext neuer Fragestellungen und aktueller Diskussionen.


Historische Anmutung in multipler Digitale Verfremdung | Valeska Gert in „Canaille“ | Foto: Suse Byk, um 1925 | Fotosammlung des Deutschen Tanzarchivs Köln.

Team

Idee, Konzeption und Realisation der Ausstellung: Thomas Thorausch
Ausstellungsassistenz: Ana González
Filme: Christiane Hartter
Mitarbeit: Markus Hoffmann | Dr. Martin Mertens
Technische Einrichtung: Ralf Friedemann
Führungen: Thomas Thorausch | Diana Treder | Smila Vita Hoppe | Friederike Reif