Mit seiner Jahresausstellung 2019/20 erweist das Tanzmuseum des Deutschen Tanzarchivs Köln der Tanzkritik und ihren Protagonisten seine Reverenz. Begleitet wird die Ausstellung von einem Rahmen­programm, das zeitgenössische Tanz- und Ballettkritiker vorstellt, zu Wort kommen lässt und im Gespräch die aktuelle Situation der Tanzkritik thematisiert.

Einmal mehr speist sich die Ausstellung aus den reichhaltigen Beständen des Deutschen Tanzarchivs Köln, der – aufgrund der Vielfalt der Bestände – wichtigsten Sammlung zur Geschichte und Gegenwart des Tanzes in Deutschland.

Ich lese nur schlechte Kritiken. Ihnen verdanke ich alles.

Richard Weichert / Intendant der Städtischen Bühnen Frankfurt am Main / 1928

Tanz sieht man! Tanzkritiken liest man! In einem Tanzarchiv kann man beides – aller Flüchtigkeit der Tanzkunst zum Trotz! Anhand von Filmen, Fotografien, Zeichnungen erhält man zumindest eine Ahnung von tänzerischer Bewegung, choreographischer Struktur und individueller Bewegungsgestaltung. Die Presseberichterstattung über Tanz in Form von Kritiken, Berichten und Interviews bietet wiederum eine Vielzahl von Informationen zu einer Aufführung – von der an die Entstehungszeit gebundenen individuellen Rezeption eines Tanzstücks bis hin zu begleitenden Informationen über Elemente des Tanzstücks wie tänzerische Gestaltung, Bühnenbild etc.

Die Ausstellung im Tanzmuseum des Deutschen Tanzarchivs Köln vereint Materialien und Dokumente vom 18. Jahrhundert bis in die Jetztzeit aus einer Sammlung von über 600.000 Zeitungsausschnitten, über 500 Nachlässen (darunter über 20 Bestände zu Persönlichkeiten der schreibenden Zunft“) sowie der Kunstsammlung und last but not least der Filmsammlung zu einer Bild-, Ton- und Textmontage, die u.a. am Beispiel der Rezeption von Isadora Duncan, Mary Wigman und frühen Arbeiten von Pina Bausch einen Einstieg in die Vielfalt der kritischen Reflektion über Tanz ermöglicht. Und einmal mehr deutlich macht, wie verlässlich sich in der der Geschichte auch ein Echo der Gegenwart finden lässt.

Kritik wird neuerdings selbst vielfach heftigst kritisiert. Auch hier kreischt Politik ihr garstig Lied. Dem einen ist man nicht rechts, dem anderen nicht links genug. Kollegenfehde, hämisch zugespitzt, die „spitze“ Feder gehört ja zum Beruf, unterhält das Publikum, das dafür nur zu offene Ohren hat.

Ludwig Sternaux / Berliner Lokalanzeiger/1928

Ausstellungsbegleitend finden neben monatlichen Führungen alle zwei Monate Gespräche mit zeitgenössischen Tanz- und Ballettkritikern im Foyer des Tanzmuseum statt. Eine monatliche Filmreihe im Tanzmuseum bietet darüberhinaus die Möglichkeit, Persönlichkeiten, Orte und Episoden aus der Geschichte des Tanzes näher kennenzulernen: vom Labor der Moderne auf dem Monte Verità bis hin zum Studio der Compagnie von Merce Cunningham in New York, vom Tanzreformer Émile Jaques-Dalcroze bis hin zur zeitgenössischen Choreographin Anne Teresa De Keersmaeker.
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